5 Fragen - 5 Antworten

Chatten, Games, Web 2.0, virtuelle Welten … immer mehr Menschen und gerade Kinder und Jugendliche nutzen regelmäßig die Möglichkeiten der neuen Medien. Für einige von ihnen entwickelt sich die anfängliche Begeisterung zu einer zwanghaften Regelmäßigkeit und schließlich zu einer Sucht, wie bei Alkohol oder Nikotin. Wie äußert sich eine solche Medienabhängigkeit und wie kann geholfen werden?

 

1. Was bedeutet der Begriff Mediensucht?
Unter Mediensucht wird im Allgemeinen ein exzessiver Umgang mit einzelnen oder mehreren neuen elektronischen Medien verstanden. Der Begriff selbst ist daher ein Sammelbegriff. In der Praxis wird zwischen Onlinesucht, Computersucht, Handysucht usw. unterschieden. Es muss allerdings klar zwischen intensiver Mediennutzung und einer Medienabhängigkeit unterschieden werden. Nicht alle, die drei Stunden oder mehr am Tag online sind, sind auch gleich mediensüchtig.

2. Können Menschen tatsächlich abhängig von Medien werden?
Pauschal kann man das schwer beantworten. Für eine Suchtentwicklung ist meist nicht das jeweilige Medium ausschlaggebend sondern die Tätigkeit, die ein Nutzer ausübt, also die Anwendungen oder Spiele, die konsumiert und bedient werden. Das heißt, dass Jugendliche zum Beispiel nicht vom PC, also dem Gerät an sich, süchtig werden sondern von dem, was sie mit diesem PC machen. Spielen sie beispielsweise 8 Stunden am Tag ein bestimmtes Online-Spiel, ist es diese Spiel-Welt, die ein Suchtverhalten auslösen kann, nicht der PC selbst.

3. Wieso üben Internet, Handy oder Spielkonsolen eine so große Faszination auf junge Menschen aus?
Alles was neu ist übt erst einmal einen großen Reiz aus. Hinzu kommt dann noch eine flächendeckende Verfügbarkeit dieser neuen Medien und ein gewisser Gruppenzwang. Heutzutage besitzen 94 % der Jugendlichen ein eigenes Handy, 45% von ihnen einen eigenen Internetanschluss. Die Unabhängigkeit von der Erwachsenenwelt spielt ebenfalls eine große Rolle, ebenso die Aussicht auf einen anonymen Rollentausch. Das Internet oder verschiedene Spiele bieten grenzenlose und verlockende Möglichkeiten.

4. Woran kann ich erkennen, dass jemand medienabhängig ist?
Ein genaues Raster für das Erkennen einer Mediensucht ist wissenschaftlich nicht exakt definiert, da die Mediensucht bisher nicht als Krankheit anerkannt ist. Es gelten jedoch ähnliche Merkmale wie bei anderen Abhängigkeiten. Entscheidende Hinweise sind demnach intensive Rückzüge in die eigenen vier Wände, das Vernachlässigen von Freundschaften oder die Verschlechterung von Schulnoten. Da Mediensucht sehr privat stattfindet, ist sie meist schon fortgeschritten, bevor Eltern sie erkennen. Mittlerweile gibt es einige spezialisierte und professionelle Hilfs- und Therapieangebote.

5. Sollte Abhängigen der Computer völlig verboten werden?
Das Problem besteht darin, dass man den Süchtigen ihr Medium nicht gänzlich entziehen kann, wie es beispielsweise bei Alkohol oder Zigaretten möglich ist. Dazu sind moderne Medien viel zu sehr Teil unserer heutigen Realität. Wichtig ist vielmehr, den richtigen Umgang mit diesen Medien zu lehren bzw. wieder zu erlernen. Dazu können beispielsweise medienfreie Zeiten vereinbart werden. In diesen Schon- und Schutzräumen sollten andere Dinge wichtig werden, beispielsweise als Familie etwas gemeinsam zu unternehmen oder das Mitwirken in einer Jugend- oder Gemeindegruppe.